
Pau
199.5 km
Dienstag 20 Juli
Nachdem er sich im letzten Jahr schon in Tarbes bei einer Etappe mit Tourmalet und Aspin durchsetzen konnte, feiert Fédrigo in Pau den Tagessieg nach einer Wegstrecke, die das Fahrerfeld auf die Spuren der allerersten Bergetappe der Pyrenäen 1910 führte. Der Fahrer vom Team Bouygues, der seine beiden ersten Erfolge nach Duellen feierte, 2006 vor Commesso in Gap und vor Pellizotti in Tarbes, steuerte dieses Mal eine achtköpfige Gruppe ins Ziel. Zu den letzten Überlebenden einer wesentlich größeren Ausreißergruppe, entstanden in den Anstiegen zu den Passhöhen von Peyresourde und Aspin, gehörten auch noch Lance Armstrong, Christophe Moreau und Damiano Cunego. Nach den Erfolgen von Riblon und Voeckler handelt es sich um den dritten aufeinander folgenden französischen Tagessieg. Das gab es zuletzt 1994.
Armstrong in der Ausreißergruppe
Der Anstieg zum Col de Peyresourde reizt vom Start weg potenzielle Ausreißer, die für diese prestigeträchtige Etappe Teamkapitäne sind. Eros Capecchi (FOT) macht auf dem zweiten Rennkilometer den Anfang. Ihm folgen zunächst sieben Fahrer, darunter auch Lance Armstrong (RSH). Die Gruppe wächst bis auf 16 Fahrer: Armstrong, Horner (RSH), Wiggins (SKY), Kreuziger, Szmyd (LIQ), Hesjedal (GRM), Roche (ALM), Lloyd (OLO), Sivtsov (THR), Morabito (BMC), Barredo (QST), Costa, Gutierrez (GCE), Moinard (COF), Martinez Verdugo (EUS) und Capecchi (FOT). Die erste Schwierigkeit des Tages sorgt für eine erste Auslese. Zuerst erreicht den Gipfel eine 14-köpfige Gruppe mit Winokurow (AST), Armstrong, Horner (RSH), Wiggins (SKY), Kreuziger, Szmyd (LIQ), Hesjedal (GRM), Casar (FDJ), Sastre (CTT), Lloyd (OLO), Charteau (BTL), Costa (GCE), Verdugo (EUS), Capecchi (FOT). Ihr Vorsprung vor der Gruppe um das Gelbe Trikot beträgt 55’’.
Casar dreht in der Abfahrt auf
Die Gruppe verliert Szmyd und Lloyd im Anstieg zum Col d’Aspin. Allerdings geht dieser Kraftakt auch nicht spurlos an der Gruppe um das Gelbe Trikot vorbei: Samuel Sanchez sowie Robert Gesink und Joaquin Rodriguez können dem Tempo der Astana-Mannschaft nicht folgen. Auf dem Gipfel sammelt Anthony Charteau seine letzten Punkte des Tages, aber die Gruppe um Contador rückt bedrohlich bis auf 30’’ heran. Also wagen die Mutigsten auf der Abfahrt ihr Glück. Durch die Tempoarbeit von Casar, der vorangeht, bricht die Gruppe, der nun auch Damiano Cunego angehört, sofort auseinander.
Konovalovas in der Spitzengruppe
Armstrong stößt bei Km 51 zu Casar, am Anfang des Anstiegs zum Col du Tourmalet, und hängt den Franzosen bei Km 53 ab. Zu dem Texaner gesellen sich anschließend noch Fédrigo und Cunego (Km 62), dann Moreau, Van de Walle und abermals Casar. Verstärkt wird die Gruppe 6 Km vor dem Gipfel durch Barredo (QST), Plaza Molina (EUS) und Horner (RSH). Im letzten Abschnitt stößt 4 Km vor dem Gipfel auch Konovalovas (CTT) dazu. Die Gruppe um das Gelbe Trikot stellt die Verfolgung vorübergehend ein und passiert den Gipfel mit einem Rückstand von 3’40’’.
Barredo und Fédrigo attackieren
Auf der Abfahrt nach dem Tourmalet funktioniert das Zusammenspiel reibungslos. Erst als der Col du Soulor ansteht, die erste Stufe zum Aubisque, zieht Lance Armstrong etwas zu zögerlich das Tempo an, um die Gruppe zu sprengen. Barredo und Fédrigo attackieren danach am häufigsten, doch fallen durch diese Rhythmuswechsel letztlich nur zwei Fahrer auf dem Weg zum Aubisque zurück: Casar und Konovalovas. Nach dem Überqueren der Passhöhe liegen noch 61 Km vor den acht Ausreißern. Nach einer erfolgreichen Aufholjagd auf der Abfahrt stößt Casar wieder zu der Gruppe, obschon sein Rückstand auf dem Aubisque 1’35’’ betrug.
Grüner Hushovd in den Bergen
Beim Zwischensprint von Bielle (Km 164,5) liegt das Peloton 9’15’’ zurück und überlässt den Ausreißern die Entscheidung um den Tagessieg. Carlos Barredo, der nicht an seine Chancen in einem möglichen Schlusssprint glaubt, wird ungeduldig und attackiert 45 Km vor dem Ziel. Dem Alleingang des Spaniers mangelt es nicht an Tempo, aber 10 Km vor dem Ziel scheint der Vorsprung von 18’’ zu mager. Er wird 1 Km vor dem Ziel abgefangen und verfolgt aus der Ferne den Zielsprint der acht verbliebenen Fahrer. Moreau und Plaza Molina übernehmen das Kommando auf den letzten 1000 Metern, aber 300 Meter vor dem Zielstrich verschärft Fédrigo das Tempo und zieht rechts an allen Konkurrenten vorbei. Nach Gap (2006) und Tarbes (2009) feiert er seinen dritten Tageserfolg bei der Tour de France. Thor Hushovd, der die gute Idee hatte, über seine Grenzen hinauszugehen und die Anstiege im Peloton zu bewältigen, profitiert von der Abwesenheit Petacchis und Cavendishs, um den Sprint des Hauptfeldes um Platz zehn zu gewinnen. Dafür erhält er sechs Zähler, die reichen, um das Grüne Trikot zurückzuerobern.
Gestern Abend habe ich ein Video veröffentlicht, weil mir die Situation missfiel. Heute haben Andy und ich uns ausgesprochen, denn ich wollte die Dinge klarstellen. Wir hatten stets ein gutes Verhältnis, und ich wollte nicht, dass es sich wegen der gestrigen Ereignisse verschlechtert. Wir haben uns ausgesprochen, und ich glaube, dass unsere Beziehung wieder so gut wie vorher werden kann.
Ich hatte eine ganz klare Vorstellung von dieser Etappe. Zunächst wollte ich, dass die Mannschaft zusammenbleibt, der Abstand musste bis zum letzten Anstieg gehalten werden, und dann war mir klar, dass andere Teams übernehmen würden. Und genau das ist eingetreten.
Ich glaube, dass Andy mich im Zeitfahren vor Probleme stellen kann, ganz einfach weil er ein toller Fahrer ist. Theoretisch ist das ein Vorteil für mich, aber ich weiß, dass er auch im Zeitfahren gewinnen kann, weil er immerhin Landesmeister ist. Vor allem die Etappe am Donnerstag wird sehr hart, da kann es große Abstände geben, mehr noch als beim Zeitfahren. Es ist ziemlich schwierig, den möglichen Zeitabstand zwischen uns beim Zeitfahren auszurechnen. Das hängt in erster Linie von unserer jeweiligen Ausdauer ab. Im Vergleich zum Vorjahr ist es eine ganz andere Strecke, die in Bordeaux war viel flacher. Ich glaube auch, dass sich Andy in diesem Bereich seit dem letzten Jahr stark weiterentwickelt hat.
Es war toll, die Etappe so zu beenden. Ich glaube, ich bin in der Form meines Lebens. Es war die Mühe wert, heute etwas zu versuchen und zu sehen, was passiert. Für solche Etappen habe ich nicht unbedingt trainiert – und die Chance auf Punkte, wenn meine Rivalen an solchen Tagen nicht dabei sind – allerdings glaube ich auch, dass sich mein Fahrerprofil etwas verändert. Bei den Sprints bin ich nicht mehr so schnell, beim Bergfahren lege ich allerdings zu. Wegen des Schlüsselbeinbruchs konnte ich nicht sprinten, weshalb ich ein normales Training und viel Arbeit in den Bergen absolviert habe. Und dafür fahre ich jetzt den Lohn ein. In der Punktwertung läuft es jetzt auf eine Entscheidung zwischen mir und Petacchi hinaus, aber wie ich schon zu Beginn der Tour sagte, kann alles Mögliche passieren, sodass wir immer alle im Auge behalten müssen.”
Ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn ich bei dieser Tour nicht um einen Tagessieg hätte mitfahren können. Ich hatte wirklich Versagensängste. Die Tour vergeht so schnell, und bislang konnte ich nicht um einen Tagssieg mitreden. Gestern Abend hatte ich sogar einen kleinen Nervenzusammenbruch. Aber vielleicht habe ich genau das gebraucht, um wieder Vertrauen zu schöpfen.
heute Morgen habe ich mich den Ausreißern mit dem Ziel angeschlossen, so viele Punkte wie möglich zu holen, um das Bergtrikot von Anthony Charteau abzusichern. Es war viel Konzentration gefragt, um die richtige Gruppe zu erwischen und vorne zu bleiben. Danach habe ich oft an die Etappe aus dem letzten Jahr gedacht, an die Höhepunkte in der Ausreißergruppe mit Pelizzoti auf dem Tourmalet und dem Aspin.
Im Schlussabschnitt hat mir Armstrong gesagt, er wolle nicht mit mir zusammenarbeiten, weil er wusste, dass ich in der Gruppe die höchste Endgeschwindigkeit hatte.
Zu Beginn der Etappe musste ich aufpassen, deshalb bin ich in der Nähe des Gelben Trikots geblieben und habe mir genau angeschaut, was er vorhatte. Es sah so aus, als hätte er ein gutes Team um sich herum, und ich hatte die ganze Zeit Jakob Fuglsang an meiner Seite. Leider ist Jens auf der Abfahrt gestürzt, weshalb der Tag für das Team nicht wirklich toll gelaufen ist. Ich habe gehört, dass es ihm gut geht. Das ist die beste Neuigkeit des Tages.
“Ein Szenario hatten wir abgesprochen: Wenn e seine Gruppe mit einem Abstand von zwei oderd rei Minuten gegeben hätte, wäre ich vielleicht auf dem Col d’Aubisque in die Offensive gegangen um zu schauen, was passiert. Als wir aber dahin kamen, waren die Ausreißer schon zu weit weg, also machte es keinen Sinn, heute etwas zu versuchen, ganz einfach wegen mangelnder Erfolgsaussichten. Ich bin noch immer motiviert, allerdings hat das nichts mit Rachegelüsten zu tun. Ich möchte ganz einfach nur diese Tour gewinnen – das ist mein Ziel – und ich weiß, dass nur noch eine Chance übrig bleibt, und zwar auf dem Tourmalet [am Donnerstag]. Ich denke, dass ich es schaffen kann. Ich hoffe, dass ich es schaffe. Die Fernsehbilder von Albertos Entschuldigung habe ich noch nicht gesehen, doch kam er heute zu mir, um sich persönlich bei mir zu entschuldigen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Er weiß, dass er gestern einen Fehler gemacht hat; er hätte das nicht tun dürfen, er weiß es und für mich reicht das jetzt auch. Dieses Kapitel ist abgeschlossen, und die Leute sollten damit aufhören und nach vorne schauen. Niemand verdient es, ständig an den Pranger gestellt zu werden.”
“Anfangs habe ich es auf eigene Faust versucht und dachte nur an die Fahrt die noch vor mir lag. Allerdings hatte ich sehr starken Gegenwind. Es war schwer, und auf den letzten Kilometern wurden die Straßen zu breit und boten einem einzelnen Fahrer keine Vorteile – das geht eindeutig besser auf kleineren Straßen. Als wir den Ausreißversuch auf den Anstiegen zu Etappenbeginn planten, wurde ziemlich viel geredet, und wir sprachen darüber, wie wir attackieren und das Tempo hochhalten müssten. Lance versuchte es als Erster, und dann war ich an der Reihe – und ich habe es mehrfach versucht, weil die Gruppe einfach zu groß war – und letztlich haben wir eine gute Auslese hinbekommen. Heute gab es eine echte Chance, aber naja… ich habe sie verpasst. So ist das Leben, nicht wahr? Viele sagten Lance, Fedrigo sei schneller als alle anderen in der Gruppe, was er letztlich auch eindrucksvoll gezeigt hat.”
Der Norweger gewinnt den Sprint des Pelotons und erobert damit das Grüne Trikot zurück.
1. Fédrigo 2. Casar 3. Plaza Molina 4. Cunego 5. Horner
Er feiert seinen dritten Tageserfolg bei der Tour. Es handelt sich um den sechsten Etappensieg eines Franzosen bei der diesjährigen Tour-Auflage.
Er setzt sich im Sprint der Gruppe durch.
1 Km vor dem Ziel wird der Spanier eingeholt...