
Andorre Arcalis
224 km
Freitag 10 Juli
Brice Feillu© A.S.O.
Beim ersten Versuch gleich ein Meisterstück. Brice Feillu, der seine erste Tour de France bestreitet und seine erste Saison als Profifahrer absolviert, hat die erste Etappe im Hochgebirge bei der Tour 2009 gewonnen, die zugleich auch die längste der diesjährigen Ausgabe war. Der junge Franzose gehörte zu den drei Fahrern, die den heutigen Ausreissversuch eingeleitet haben. Beim ersten Anstieg des Tages hatte er den nötigen Mut, die Inspiration und die körperlichen Ressourcen, die erforderlich waren, um die Spitzengruppe 5 km vor dem Ziel auseinanderzureißen. Weiter hinten ging der Kampf unter den Favoriten der Großen Schleife weiter: Alberto Contador konnte seine Rivalenim Finale abhängen, ohne jedoch auch das Gelbe Trikot erobern zu können, das heute Rinaldo Nocentini überstreifen durfte. Als weiteres aktives Mitglied der heutigen Ausreißergruppe ist er der erste Italiener im Gelben Trikot seit Alberto Elli bei der 2000.
Anschluss bei km 34
Bei der Ausfahrt aus Barcelona wurde das bereits am Vortag begonnene Bad in der Menge für das Peloton der Tour fortgesetzt. Die festliche Stimmung hat die Angreifer aber nicht von ihrem Ziel ablenken können: ab dem ersten Kilometer hat sich eine Gruppe von acht Fahrern schon zeitweilig abgesetzt. Doch der entscheidende Versuch wurde dann von Martinez (EUS), Riblon (ALM) und Gutierrez (GCE) bei km 8 unternommen. Anschluss zu ihnen fanden dann bei km 34 Nocentini (ALM), Kuschynski (LIQ), Kern (COF), Pineau (QST), B.Feillu (AGR) und Fröhlinger (MRM).
Maximaler Vorsprung: 14’20’’
Die neun Ausreißer des Tages konnten schnell Boden gut machen: sie erreichten einen maximalen Vorsprung von 14’20’’ bei km 55. Mit vier Fahrern unter den Top 5 der Gesamtwertung machte sich Team Astana als erstes Sorgen angesichts dieses Vorsprungs. Die Astana-Fahrer setzten sich an die Spitze des Pelotons, um das Tempo in den Anstiegen zum Port de Solsona (11’45’’) und dann zum Col de Serra-Seca (12’) vorzugeben.
Reduzierung des Formats
Bei der Ankunft im Fürstentum Andorra war der Vorsprung weiterhin groß, mit einer Marge von 11’, doch der Rhythmus wurde im finalen Anstieg leicht angezogen, den die Fahrer vom Team Astana mit einem reduzierten Peloton angehen wollten. Die erhoffte Wirkung wurde auch erzielt, denn das Hauptfeld umfasste nur noch 70 Fahrer am Fuße des letzten Anstiegs.
Angriff von Brice Feillu 5 km vor dem Ziel
Die Ausreißer kamen damit bestens zurecht, denn der Vorsprung war mit 6’ auf das Hauptfeld am Fuße des Anstiegs nach Arcalis immer noch erheblich. Das Ausscheidungsrennen begann dann sowohl in der Führungsgruppe als auch im Peloton. Kuschynski musste sich als Erster um den Etappensieg geschlagen geben. Der Neuprofi vom Team Agritubel setzte sich zunächst von seinen reaktionslosen Mitausreissern ab und erkämpfte sich dann 3 km vor dem Ziel einen ermutigenden Vorsprung von 30". Christophe Kern versuchte dann mit ein wenig Verzug wieder Anschluss an Feillu zu finden, doch der größte Teil der Arbeit war schon geleistet. Brice Feillu konnte seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France nach Hause fahren.
Das Gelbe Trikot für Nocentini
Weiter hinten sollte der Kampf auch etwas auf sich warten lassen, auch wenn die Tempoerhöhung am Ende des Hauptfeldes nicht ohne Folgen bleiben sollte. Cadel Evans startete schließlich als erster der Tour-Favoriten 3,5 km vor dem Ziel einen Versuch. Doch der Australier war nicht entschlossen genug, um die Rivalen abhängen zu können. Die Reaktion von Alberto Contador hingegen war entscheidend. Der Spanier absolvierte die letzten beiden Kilometer im Alleingang mit dem Ziele, den anderen tonangebenden Fahrern im Rennpulk wertvolle Sekunden abzujagen. Bei der Zielankunft hat er das Gelbe Trikot, das an Nocentini ging, zwar verfehlt, doch zumindest den zweiten Platz in der Gesamtwertung erobert, mit 2" Vorsprung auf Armstrong.
Als Mitglied der Ausreißergruppe von heute Morgen hatte er sich vorgenommen, die Etappe zu gewinnen, statt dessen beendet Rinaldo Nocentini den Tag mit dem Gelben Trikot auf den Schultern.
« Das war eine riesige Gelegenheit. Davon träumt jeder Radfahrer, daher bin ich hoch erfreut, die Führung in der Gesamtwertung übernommen zu haben. Ziel dieses Tages war es, einen Etappensieg zu holen. Das habe ich verpasst, doch stattdessen den besten Trostpreis, den man sich denken kann. Bis jetzt habe ich das Rennen Tag für Tag absolviert, und jetzt führe ich in der Gesamtwertung der Tour de France. Man muss wirklich daran glauben, bei einer so langen Etappe. Beim letzten Anstieg habe ich angefangen, mir zu sagen, dass es möglich war. Vier Kilometer vor dem Ziel hatten wir einen guten Vorsprung, dann hat Contador angegriffen, und es wurde eine Frage von Sekunden. Zur Verteidigung des Trikots fühle ich mich fit. Es gibt morgen noch einen starken Anstieg, und meine Mannschaft ist sehr gut, aber wir werden es verteidigen, solange es geht. »
Wenn es noch Zweifel daran gegeben haben sollte, wer der führende Mann im Team Astana ist, dann genügt es, sich die letzten drei Kilometer der siebten Etappen anzuschauen: Alberto Contador ist erlesenste Kletterer seiner Generation, und sobald er beschlossen hatte, dass es Zeit für einen Abflug war, konnte keiner seiner Beschleunigung widerstehen. Er ist nun Gesamtzweiter, doch die Fragen, wer der Kapitän ist, dürften jetzt verstummen…
"Es war unser Plan, das Gelbe Trikot nicht so früh in dieser Tour de France zu übernehmen. Es ist so hart, es zu behalten, und es stehen noch viele Etappen bevor. Es ging nur darum, meine Position gegenüber meine wichtigsten Rivalen zu sichern. Die heutige Etappe war sehr eine sehr taktische, und meine Mannschaft hat tolle Arbeit geleistet, sie für das Finale optimal abzustimmen. Sie haben wirklich hart gearbeitet, um das Tempo hochzuhalten und sicherzustellen, dass wir ein gute Position haben, wenn es darauf ankommt. Das nimmt sehr viel Stress weg und ermöglicht es uns, die Situation von vorne aus einzuschätzen.
Ich bin die Frage über die Führung bei Astana wirklich leid. Schauen wir uns einfach die Tour an und sehen, was sich entwickelt, und hoffentlich wird es dann zum Ende des Rennens klar sein.
Ich kenne die Straße nach Arcalis. Dies ist auch mein Terrain, wenn ich in den Bergen bin, fühlt es sich wie Zuhause an."
Christophe Riblon, ein Mitglied der Ausreißergruppe, hat zudem seinem Mannschaftskameraden Nocentini geholfen, die Führung in der Gesamtwertung zu erobern. Er hat den Preis für den Kampfgeist verliehen bekommen.
« Der Preis für den größten Kampfgeist ist eine schöne Belohnung für diesen Tag in der Ausreißergruppe. Natürlich hätte ich noch lieber die Etappe gewonnen, aber letztlich sollte es nicht sein. Da Nocentini in der Position war, das Gelbe Trikot zu erobern, habe ich mein Maximum für die Mannschaft gegeben. Und dass ist sehr zufriedenstellend, denn es hat funktioniert, um sechs Sekunden. Wir haben gut gearbeitet. Ich weiss nicht, ob es möglich sein wird, das Gelbe Trikot lange zu behalten, aber wir werden alles dafür tun. Das Rennen gelangt jetzt auf sehr hügelige Straßen, die unserem Profil eher entsprechen. Wir haben die Möglichkeit, es doch ein wenig zu behalten, denn wir haben ein starkes Team. »
Bei seiner ersten Tour de France gewinnt Brice Feillu in Andorra die erste Bergetappe der diesjährigen Ausgabe und erobert zugleich das Gepunktete Trikot.
« Ich realisiere noch nicht, was ich geschafft habe. Ich bin Neuprofi, ich hatte schon Glück, an meiner ersten Tour de France überhaupt teilzunehmen, und jetzt gewinne ich die erste große Bergetappe. Was will man mehr? Als ich meinen Bruder mit Tränen in den Augen heranlaufen sah, hat bei mir so langsam gedämmert, was überhaupt passiert ist, und habe ich selbst die Emotionen gespürt. Ich mag diese Art von Finale, ich hatte schon einmal einen ähnlichen Coup am Ballon d’Alsace gelandet, bei einem Rennen auf ganz anderem Niveau natürlich. Aber ich fühle mich wohl auf einer Strecke, auf der man ständig durchstarten muss, so wie hier zum Ende hin.
Ich weiss aber auch, dass ich ein neues Team finden muss, denn Agritubel wird aufhören. Ich glaube, dass dieser Sieg mir dabei helfen kann. Und was das Gepunktete Trikot betrifft, so habe ich immer davon geträumt, es einmal zu tragen, ich weiss aber noch nicht, wie wir vorgehen werden, um es zu verteidigen. »
1. B.Feillu, 2. Kern, 3. Fröhlinger, 4. Nocentini, 5. Martinez
Rinaldo Nocentini übernimmt die Führung in der Gesamtwertung, mit 6" Vorsprung auf Contador
Er fährt alleine, mit 3’40" Rückstand auf Feillu
Es ist ihm gelungen, der Rückkehr von Christophe Kern zu widerstehen, und er erringt seinen ersten Sieg bei der Tour, in seinem ersten Jahr als Profifahreri
Auf dem letzten Kilometer liegt Kern 8" zurück...