
Vittel
211.5 km
Donnerstag 16 Juli
Nicki SORENSEN (DEN)© A.S.O.
Nicki Sorensen, der treue Fahrer von Saxo Bank, hat von Anfang an gekämpft, um sich bei Km 75 der Etappe einer spät formierten Ausreißergruppe von insgesamt sieben Fahrern anzuschließen. Der als Arbeiter, kaum aber aufgrund seiner Finisherqualitäten bekannte Däne löste sich schließlich 23 Km vor dem Ziel von seinen Weggefährten und schüttelte auch noch seinen letzten Widersacher Sylvain Calzati 5,5 Km vor dem Zielstrich ab. Der 34-jährige Radprofi feiert seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France. Im Hauptfeld haben die Sprinterteams zu keinem Zeitpunkt die Verfolgung wirklich aufgenommen und den Teamkollegen des Gelben Trikots die ganze Tempoarbeit überlassen.
Ein Sprintduell Hushovd-Cavendish
Potenzielle Ausreißer werden zu Beginn der Etappe systematisch vom Peloton abgefangen. Der erste Anstieg bietet die Möglichkeit zu einer Attacke, aber Millar (GRM), Bennati (LIQ) und Lequatre (AGR), die ihre Bemühungen nach dem Überqueren des Gipfels fortsetzen, werden nahezu sofort gestellt. Die schnelle Gangart des Pelotons bringt Mark Cavendish in eine perfekte Position für eine weitere Konfrontation mit Thor Hushovd auf der Sprintlinie von Channes (Km 32), wo er zwei Punkte mehr einheimst als sein ärgster Rivale.
Hin und Her zwischen Pellizotti und Martinez
Der Kampf um die Punkte betrifft auch die Bergwertung. Auf der Côte de Gye-sur-Seine, und dann auf der Côte d’Essoyes beharken sich Franco Pellizotti und Egoi Martinez, während Laurent Lefèvre den Anstieg nutzt, um das Tempo zu verschärfen. Seit Beginn der Tour 2009 handelt es sich um die erste Ausreißergruppe, die eine echte Schwergeburt darstellt, aber allmählich bei Km 75 Konturen annimmt mit Martinez (EUS), Pellizotti (LIQ), Pauriol (COF), Lefèvre (BBO), Calzati (AGR) und Fothen (MRM), zu denen später Nicki Sorensen (SAX) stößt.
Keine Verstärkung für AG2R
Die Angreifer kommen bis Km 115 gut voran, wo der maximale Vorsprung 4’25’’ beträgt. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten leisten die Columbia-Fahrer auf dieser Flachetappe keine Nachführarbeit, und AG2R La Mondiale übernimmt die Temporabeit, damit der Abstand in einem annehmbaren Rahmen bleibt: 4’10’’ 50 Km vor dem Ziel. Die Aussicht auf den Sieg eines angriffslustigen Abenteurers scheint die Sprinterteams kalt zu lassen, sodass sie sich den ganzen Tag lang vornehm zurückhalten.
Sorensen hängt Calzati ab
25 Km vor dem Ziel scheint der Vorsprung von 4’ für die sieben Ausreißer eine sichere Sache zu sein, aber Sorensen sorgt sich wohl um seine persönlichen Erfolgsaussichten bei einer gemeinsamen Zielankunft in dieser Konstellation. Der Däne beschleunigt 23 Km vor dem Ziel und hat Sylvain Calzati in seinem Schlepptau. Das Duo liegt 10 Km vor dem Ziel lediglich 13’’ vor den übrigen Ausreißern. Nicki Sorensen fasst sich ein Herz und hängt seinen letzten Rivalen 5,5 Km vor dem Ziel ab. Im Alleingang hinterlässt Sorensen sofort einen bleibenden Eindruck bei seinen Verfolgern: Er fährt das Rennen unbedroht nach Hause und feiert seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France.
Das Team des Gelben Trikots hat den ganzen Tag lang ohne Unterstützung der Sprinterteams an der Spitze des Hauptfeldes gearbeitet.
«Es war keine leichte Etappe. In den ersten beiden Stunden haben wir ein unglaubliches Tempo vorgelegt. In der Ausreißergruppe war Sorensen anschließend der gefährlichste Mann für die Gesamtwertung. Die Mannschaft hat gearbeitet, um den Abstand anfänglich bei zwei Minuten zu halten. Danach haben wir die Sprinterteams um Hilfe gebeten, allerdings ohne Erfolg. Daraufhin haben wir die Verfolgung eingestellt. Hoffentlich wird es morgen leichter, und hoffentlich erhalten wir Unterstützung vom Team Astana.»
Der Euskaltel-Fahrer verteidigt das Bergtrikot, doch sein Kontrahent Franco Pellizotti holt auf.
«Ich hoffe, dass Pellizotti nicht immer so flinke Beine hat wie an den letzten Tagen, denn er ist immer sehr schnell. Wenn er so weitermacht, wird es äußerst schwer für mich, dieses Bergtrikot zu verteidigen. Heute standen Punkte für die Bergwertung auf dem Spiel, aber auch der Etappensieg. Das war heute das größte Ziel. Aber angesichts der Leistung von Sorensen war für mich nichts drin. Ich bin nicht frustriert, denn ich fahre momentan besser denn je. Hoffentlich halten meine Beine diese Form.»
Nicki Sorensen, der seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France feiert, hat im letzten Teil des Rennen zwei entscheidende Attacken geritten. Er gewinnt auch den Preis des kämpferischsten Fahrers.
«Zu Beginn des Rennens gab es jede Menge Attacken. Es war sehr hart, und ich glaube, dass wir heute ein tolles Radrennen erlebt haben. Ich war froh, in der Ausreißergruppe unterzukommen, die kurz vor mir losgezogen war. Alle haben perfekt gearbeitet, es war eine gelungene Ausreißaktion.
Vor dem heutigen Tag war mein größter Erfolg ein Etappensieg bei der Vuelta, aber jetzt bin ich noch glücklicher. Ich bin mittlerweile 34, und jetzt kommt es für mich darauf an, dass ich auch in dem Alter Leistung zeige. Ich habe im Alter von 19 Jahren mit dem Rennfahren begonnen und mir stets gedacht, dass es eine gute Sache wäre, lange im Geschäft zu bleiben. Heute habe ich den Beweis dafür erbracht.
Der Auslöser meiner Attacke etwas mehr als 20 Km vor dem Ziel war die Anwesenheit von Pellizotti in der Gruppe. Und ich weiß, dass er enorm spurtstark ist. Er wäre vermutlich unschlagbar gewesen. Zum Schluss war ich sehr nervös, denn mit dem roten Wagen der Rennleitung im Nacken sah ich nicht mehr, wo sich die anderen befanden. Aber Ende gut, alles gut.»
2,5 Km vor dem Ziel hat sich ein Sturz im Peloton ereignet. Leidtragende waren u.a. Cadel Evans und Levi Leipheimer, doch dank der neuen Regelung müssen sie keinen Zeitverlust hinnehmen, da Fahrer, die auf den letzten 3000 Metern stürzen und dann weiterfahren, in der gleichen Zeit gewertet werden, wie die Gruppe der sie bis dato angehörten.
1. Sorensen
2. Lefèvre
3. Pellizotti
4. Fothen
5. Martinez
Der Däne beendet die Etappe im Alleingang in Vittel.
Nur noch 1 Km für Nicki Sorensen, der vor seinem 13. Profisieg und dem ersten Etappensieg bei der Tour steht...
2 Km vor dem Ziel kann er nicht mehr eingeholt werden...