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Er ist immer noch für eine Überraschung gut. Mit seinem zweiten Gesamtsieg bei der Tour de France hat Alberto Contador das nächste Level erreicht. Rein statistisch hat er damit seinen Platz im erlesenen Zirkel der Tour-Größen eingenommen. Auf der Straße hielt er die versammelte Schar der Titelanwärter dank seiner Fähigkeiten in jeglicher Hinsicht auf Abstand und fuhr gleichzeitig einen beruhigenden Vorsprung heraus. Dem geradezu tonnenschweren Konkurrenzdruck begegnete Contador mit der nötigen Kaltschnäuzigkeit und lieferte sein Meisterstück ab. Und das alles im zarten Alter von 26 Jahren, als es ein Miguel Indurain vergleichsweise erst auf einen zehnten Platz brachte.
Nichtsdestotrotz hat der mitunter entstandene Eindruck einer heranbrechenden "Ära Contador" bei der Tour de France rein gar nichts von der Siegesserie seines illustren und älteren Landsmannes. Sein Auftreten und sein Temperament sorgen in erster Linie für mächtig viel Spektakel. Die Zuschauermassen, die den Straßenrand säumten und die diesjährige Auflage der Tour de France zu einem wahren Volksfest machten, sprechen eine eindeutige Sprache. Vor allem aber führte seine Überlegenheit nicht dazu, dass sich seine Widersacher in ihr Schicksal fügten - egal, ob sie Schleck oder Armstrong hießen. Die Aussicht auf zukünftige Scharmützel, an denen sich gewiss neue Underdogs beteiligen werden, sorgt bereits jetzt für knisternde Spannung.
Die Qualität des Tour-Jahrgangs 2009 wird nicht nur alleine am Prestige ihres Siegers gemessen. Als Beleg dafür ziehe ich den selten so abwechslungsreichen Kampf um die einzelnen Wertungstrikots heran. Thor Hushovd eroberte das Grüne Trikot gleichermaßen dank seiner Rennintelligenz und Gerissenheit wie auch aufgrund seiner Kraftreserven, während Franco Pellizotti ins Bergtrikot fuhr, indem er bei den Anstiegen wiederholt Ausdauer und Hartnäckigkeit unter Bewweis stellte. Und schließlich lässt die Demonstration der Stärke bei Massenspurts über die gesamte Renndistanz keinen Raum für Zweifel: Mit sechs Etappensiegen zwischen Brignoles und Paris befinden wir uns bereits jetzt in der "Ära Cavendish"!
Christian PRUDHOMME
Direktor der Tour de France