Tagebuch der Etappe

etappe 4 - Cholet Cholet 29.5 km
Dienstag 8 Juli

Schumacher gewinnt das Zeitfahren

Der Ausgang des heutigen Einzelzeitfahrens von Chronet war aufgrund des Profils und der ungewöhnlichen Länge (29,5 km) offener als bei früheren Auflagen der Tour de France. Stefan Schumacher legte die Strecke in 49,9 km/h zurück und verwies alle Mitstreiter souverän auf die Plätze. Er übernimmt das gelbe Trikot von Romain Feillu, das dieser zu keinem Zeitpunkt der Etappe verteidigen konnte. Kirchen, Millar und Evans folgen dem Deutschen. Valverde landet mit 1’27’’ Abstand auf den Führenden auf dem 17. Rang.

Wim Vansevenant scheint am letzten Platz des Gesamtklassements zu kleben. Bereits 2006 und 2007 Schlusslicht der Tour de France, trägt er das Seine dazu bei, um seinen „Titel“ zu verteidigen. Der Belgier, der unterwegs von Mathieu Sprick überholt wird, kommt noch nicht einmal in den Genuss des Privilegs, die erste Bestzeit zu liefern. Aber auch Sprick bleibt nicht lange in Führung, denn er wird schnell von Nicki Sørensen abgelöst. Der Wechsel an der Spitze des Klassements geht mit der Zielankunft von Rubens Bertogliati und dann Christophe Riblon weiter.

Chavanel knapp an der Top 10 vorbei
Das Tempo verschärft sich leicht, als Stef Clement auf die Strecke geht und sein Rennen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 47,5 km/h beendet. Der dreifache niederländische Meister im Zeitfahren tritt hart genug in die Pedale, um seinen Teammanager Jean-René Bernaudeau zufrieden zu stellen, der heute seinen 52. Geburtstag feiert. Aber nicht genug, um Danny Pate zu schlagen, der als erster Fahrer des heutigen Tags unter 37’ Minuten bleibt. Der Amerikaner, der sich 2001 als U23-Weltmeister im Zeitfahren einen Namen machte, übernimmt die Führung, um sie wenig später an Sylvain Chavanel abzugeben. Der französische Meister hatte es sich zum Ziel gesetzt, wie in Albi unter die ersten zehn der Etappe zu kommen. Er verbessert die Zeit von Pate um 2’’, aber dieser kleine Vorsprung reicht nicht, um sich einen Platz unter den Besten zu sichern.

Cancellaras Rennen
Der Auftritt von Jens Voigt, dem es gelingt, 33’’ auf Chavanels Zeit gutzumachen, nimmt ihm jegliche Hoffnung, auf das Siegertreppchen der Etappe zu kommen. Der Deutsche gibt aber nur einen Vorgeschmack auf die Leistung seines Mannschaftskameraden Fabian Cancellara, Weltmeister im Zeitfahren und als großer Favorit dieser Etappe gehandelt. Während alle auf den Schweizer Fahrer warten, übernimmt Denis Menchov das Regiment und stellt gleichzeitig unter Beweis, dass er trotz der am Vortag verlorenen Sekunden längst noch nicht aus dem Rennen ist. Weniger schneidig als sonst, muss sich Cancellara ins Zeug legen, um Menchov in der Tageswertung mit knapp einer Sekunde Vorsprung zu überflügeln.

49,9 km/h fĂĽr Schumacher
Bereits auf den ersten 11 Rennkilometern beeindruckt Stefan Schumacher, indem er die bisherige Bestzeit von Voigt um 15“ unterbietet. Im Ziel sind die Fakten noch viel klarer: 49,9 km/h im Schnitt und 33 Sekunden schneller als Cancellara. Der Trend bestätigt sich mit den Zwischenzeiten von Cadel Evans, David Millar und Kim Kirchen, die sich ihren Weg unter die Top 5 erfahren, sich aber dem stärksten Mann des Tages geschlagen geben müssen.

Mission Impossible fĂĽr Feillu
Unter diesen Umständen ist die Herausforderung, vor der Romain Feillu steht, unmöglich zu bewältigen. Bei der zweiten Zeitmessung ist seine Schlacht mit 3’17’’ Abstand auf Schumacher bereits geschlagen. Dem deutschen Fahrer gelingt der Doppelschlag: er übernimmt auch die Führung im Gesamtklassement. Ihm folgen Kirchen und Evans, zum Leidwesen von Valverde, der 1’27’’ auf den neuen Führenden in der Gesamtwertung verliert.

 

Kim Kirchen: "Ich habe meine Form bewahrt."

Der Luxemburger, Zweiter im heutigen Zeitfahren, übernimmt die Führung in der Punktewertung und folgt Schumacher mit 12“ Zeitunterschied im Gesamtklassement.

„Ich glaube nicht, dass ich von Tag zu Tag stärker werde. Ich denke eher, dass es mir gelingt, mein Tempo zu halten und meine innere Ruhe zu bewahren. Zusammen mit einer guten körperlichen Form bedeutet das, dass es rund läuft. Dieses Zeitfahren hat mich etwas überrascht. Ich habe mich noch nie so sehr auf die Tour konzentriert wie in diesem Jahr. Meine Vorbereitung lief gut. Ich bin nicht krank geworden, ich bin eine gute Tour de Suisse gefahren und ich glaube einfach, dass ich diese Form bewahrt habe. Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen passiert.
Ich habe vor der heutigen Etappe nicht wirklich an das Gesamtklassement gedacht, weil ich zwei Minuten Rückstand hatte und es schwierig ist, soviel Zeit aufzuholen. Jetzt bin ich vor allem glücklich, dass das Zeitfahren so gelaufen ist und ich in dieser Position bin.“

 

Stefan Schumacher: "Damit habe ich nicht gerechnet."

Der deutsche Fahrer gewinnt seine erste Etappe bei der Tour de France und ĂĽbernimmt gleichzeitig die FĂĽhrung im Gesamtklassement.

„Ich war hoch motiviert und angesichts der Strecke auch sehr zuversichtlich, da ich wusste, dass mir ein Zeitfahren über 30 Kilometer liegen würde. Diese Art von Profil entspricht meinen Stärken. Man muss am höchsten Punkt der Steigungen ständig wieder Tempo aufnehmen, und das ist gut für mich. Ich hatte gehofft, dass ich mich unter den ersten Fünf platzieren würde, aber ich hatte nicht damit gerechnet, die Etappe zu gewinnen. Ich habe Cancellara als den großen Favoriten gesehen und deshalb ist das Ergebnis für mich unglaublich.
Ich habe keinerlei Pläne, wie es weitergehen soll, da ich nicht erwartet habe, das Zeitfahren zu gewinnen, und noch viel weniger, das gelbe Trikot zu übernehmen. Ich habe also nicht wirklich darüber nachgedacht, aber ich werde morgen mein Bestes geben. Mit unserem Team denke ich, dass wir zumindest eine Chance haben, das Trikot einige Tage lang zu verteidigen. Und danach sehen wir weiter. Es wird aber schwer werden, es zu halten, weil Kirchen keinen großen Abstand hat und ich weiß, dass er sein sehr guter Kletterer ist.“

 

Thomas Lövqvist: "Ich merke, ich bin auf dem Weg."

Der Schwede wird heute als starker Zeitfahrer Elfter und ĂĽbernimmt die FĂĽhrung im Nachwuchs-Klassement. Jetzt gilt es, das weiĂźe Trikot in den Bergen zu verteidigen.

„Ich habe das weiße Trikot bei der Tour de France schon mehrmals getragen, und diesmal werde ich versuchen, es zu behalten, weil es ein Traum von mir ist, bis nach Paris in Weiß zu fahren. Ich weiß, dass es fünf oder sechs Anwärter auf das Trikot gibt und ich mich zum Beispiel gegen Andy Schleck, Roman Kreuziger oder Vincenzo Nibali durchsetzten muss. Wir werden sehen, wer von uns in den Bergen der Beste ist. Ich fühle mich in diesem Bereich stärker als früher. Ich habe vielleicht noch nicht das Niveau der Allerbesten, aber ich bin auf dem Weg dahin.“

 

Agenturmeldungen

17:46 - Top Five der Etappe

Die fĂĽnf schnellsten Fahrer im heutigen Zeitfahren sind:
1. Schumacher
2. Kirchen
3. Millar
4. Evans
5. Cancellara

17:44 - Feillu verliert gelbes Trikot

Roman Feillu hat zwar die Erfahrung genießen dürfen, im gelben Trikot zu fahren, es hat ihm aber keine Flügel verliehen. Er belegt im Zeitfahren den 169. Rang mit 4’59" Abstand auf Schumacher. Er fällt im Gesamtklassement, während Schumacher die Führung übernimmt.

17:36 - Feillu nach 19,5km mit 3’17" Abstand

Roman Feillu wusste, dass er auf der heutigen Etappe Zeit verlieren würde, aber er hatte die Hoffnung, dass es ihm gelingen würde, das gelbe Trikot zu verteidigen. Dies wird nicht der Fall sein: Er hat sich einen Tag lang im Rampenlicht gesonnt, aber mit 3’17“ Abstand auf Schumacher an der 19,5-km-Marke neigt sich dieser Tag dem Ende entgegen.

17:33 - Schumacher: Erster auf der Etappe - Erster im Gesamtklassement!

Es sind noch vier Fahrer auf der Strecke, aber Schumacher wird die Etappe gewinnen und das gelbe Trikot ĂĽbernehmen. Es ist der zweite Etappensieg bei der Tour fĂĽr Gerolsteiner und der erste fĂĽr ihn.
Seine durchschnittliche Geschwindigkeit auf der Etappe betrug 49,5km/h.

17:30 - Kirchen im Ziel

Der einzige Fahrer, der Schumacher das gelbe Trikot noch hätte streitig machen können, war Kim Kirchen. Der Fahrer im grünen Trikot ging soeben mit 18" Sekunden Rückstand auf den Deutschen über die Ziellinie (als Zweiter der Etappe mit nur noch vier Fahrern auf der Strecke). Das bedeutet, dass es jetzt nur noch abzuwarten gilt, bis alle Fahrer im Ziel sind, bevor Schumacher als neuer Führender in der Gesamtwertung der Tour de France bestätigt wird.