Tagebuch der Etappe

etappe 21 - Étampes Paris Champs-Élysées 143 km
Sonntag 27 Juli

Sastre, ein Angriff genĂĽgt

Carlos Sastre, dem am Alpe d’Huez der entscheidende Sieg gelungen ist, hat der Bedrohung durch Evans in der Folge widerstehen können, indem er gegenĂĽber seinem Hauptrivalen beim abschlieĂźenden Zeitfahren nur 29“ abgetreten hat. Mit 1’05“ Vorsprung zu Beginn der letzten Etappe konnte der Träger des Gelben Trikots ohne jedwede Gefahr die Fahrt nach Paris antreten. Auf den Champs-ElysĂ©es hat er sich noch einen Verlust von 7“ gestattet und wird nunmehr der 7. spanische Sieger der Tour de France, nach Bahamontes (1959), Ocana (1973), Delgado (1988), Indurain (1991, 92, 93, 94, 95), Pereiro (2006) und Contador (2007).
Der prestigereiche Etappensieg geht an Gert Steegmans, nach einer Demonstration der Stärke seiner Mannschaft auf der Avenue des Champs-Elysées. Dieser Sieg konnte jedoch das Grüne Trikot von Oscar Freire nicht mehr gefährden. Das Gepunktete Trikot bleibt auf den Schultern von Bernhard Kohl, und das Weiße Trikot auf denen von Andy Schleck. Team CSC Saxo Bank rundet seine Titelsammlung mit dem Sieg in der Mannschaftswertung ab.

Fotos und Champagner
Bei dieser letzten Etappe ging die Parade der verschiedenen Trikotträger an der Spitze des Pelotons noch weit über den fiktiven Start hinaus. Die Fotosessions – mit oder ohne Champagnerglas – wechselten mit den Glückwünschen in alle Richtungen ab. Die beiden Anstiege des Programms wurden mangels Interesse ohne jedwede Attacken erklommen. Symbolisch wollte Kohl dennoch die zu vergebenden drei Punkte am Anstieg der Côte de Saint-Rémy-les Chevreuse (km 48) erringen.

Augé greift als Erster an
Die weitere Fahrt des Pelotons wurde dann allmählich bis zu den Toren von Paris beschleunigt, wobei die Fahrer vom Team CSC das Tempo vorgegeben haben. Bei der ersten Durchfahrt an den Champs-Elysées war es dann Stuart O’Grady (CSC), der das Hauptfeld anführte. Die erste wirkliche Attacke ging von Stéphane Augé (COF) aus, in Begleitung von Nicolas Vogondy (AGR) bei km 92. Ihr Ausritt an der Rennspitze sollte aber nur einen Kilometer währen. Der Angriff von Florencio (BTL) und Gutierrez (GCE), der bei km 99 eingeleitet wurde, dauerte kaum länger.

Eine letzte Attacke fĂĽr Chavanel
Vogondy setzte sich bei km 107 noch einmal vom Hauptfeld ab. Dank der Verstärkung durch Barredo konnte er immerhin 10 km an der Spitze fahren, aber auch nicht mehr. Trotz der Kürze der Ausreißversuche und der minimalen Perspektiven auf einen Sieg bei solchen weit ausholenden Versuchen gab es doch noch zahlreiche weitere Freiwillige: Siutsou (COL), Botscharow (C.A) und Augé (COF) setzten sich ohne großen Erfolg ab, genau wie Arnaud Gérard (FDJ), der 6 km vor dem Ziel wieder gestellt wurde. Auf den letzten Kilometern machte der unermüdliche Sylvain Chavanel (COF) seinem Titel als kampfeslustigster Fahrer dieser Tour noch einmal alle Ehre, indem er eine letzte Attacke startete, im Peloton wurde jedoch bereits die letzte Auseinandersetzung der Sprinter vorbereitet.

Steegmans kraftvoll
Zu Beginn der letzten Geraden auf den Champs-Elysées wurde das Peloton vom Team Quick Step angeführt, das den Zug für ihren Sprintkapitän Gert Steegmans unter idealen Bedingungen anzog. Freire und Ciolek schienen ebenfalls gut positioniert zu sein, doch der Belgier konnte auf den letzten 400 Metern seine ganze Kraft ausspielen. Er kontrollierte mit Leichtigkeit die Rückkehr von Ciolek. Freire, der Drittplatzierte auf der Ziellinie, gewinnt erstmals in seiner Laufbahn das Grüne Trikot.

 

Cadel Evans: „Es gibt immer noch Raum für Verbesserungen“

Ein Sturz in der neunten Etappe hat nach Meinung von Cadel Evans einen Teil seiner Kräfte für die letzte Woche geraubt. Der Australier ist im zweiten Jahr hintereinander der Zweitplatzierte und ist zufrieden mit dem Wissen, wieder mehr Erfahrung für das nächste Jahr gesammelt zu haben, er hat aber auch eine Kostprobe davon bekommen, wie es ist, die Tour de France anzuführen.

“Es hat mehr Dramen gegeben, als ich erwartet oder gewollt hätte, und der Kampf um jede Sekunde zum Ende hin war ermüdend. Der Sturz vor den Pyrenäenetappen war ein schwerer Schlag, und er hat mich einige Kräfte gekostet; ich habe in der zweiten Woche alles gegeben, was ich hatte, und vielleicht musste ich den Preis dafür in der dritten Woche zahlen. Es war beim letzten Zeitfahren deutlich spürbar. Ich bin beständig gefahren und habe gute Zwischenzeiten erzielt, aber ich bin einfach nicht so schnell wie die anderen gefahren. So ist das im Leben.
Ich bin sauer auf einen spanischen Fahrer, die Nummer 29, der mich versehentlich zu Fall gebracht ha t, aber so ist das nun mal beim Rennen, und ich habe noch ein paar Jahre vor mir.
Das Gelbe Trikot nach einer so anspruchsvollen Rennwoche zu tragen war wirklich etwas Besonderes, und es war eine Erfahrung, die wohl jeder Radsportler machen möchte. Ich habe noch nie ein Weltmeistertrikot getragen, aber es war wirklich unglaublich, in Gelb zu fahren. Es ist eine tolle Erfahrung, und ich habe Dinge gelernt, die mir bei künftigen Tourteilnahmen zu Gute kommen werden.
Zurückzukommen und als Zweiter zu enden und den Fahrer an dritter Position auf Abstand zu halten… damit bin ich zufrieden. Und es freut mich, dass es mir gelungen ist, nach dem Sturz weiterzufahren. Zurückzukommen und das Gelbe Trikot zu erringen, war ein Bonus. Es gibt immer noch Raum für Verbesserungen, sonst hätte ich mich mit dem achten Platz zufrieden geben können, aber ich habe in den letzten vier Jahren viel getan, um dieses Ergebnis zu verbessern.”

 

Carlos Sastre: „Die Mannschaft hat alles für mich getan“

Der spanische Fahrer gewinnt mit 33 Jahren seine erste Tour de France. Der Erfolg von Sastre hat der Qualität seines Umfeldes viel zu verdanken.

« Heute war wirklich ein schöner Tag. Die Mannschaft hat alles getan, um mir das Leben bei dieser Tour leicht zu machen. Und selbst bei der Ankunft der letzten Etappe in Paris hat sie weiterhin für mich gearbeitet. Die Stimmung ist sehr gut, und ich weiß, dass die Erleichterung, in Paris angekommen zu sein, alle noch glücklicher macht.
Es war schön, meine Kinder auf dem Podium bei mir zu haben. Es ist enorm, die Tour de France zu gewinnen, aber meine Kinder sind der schönste Sieg in meinem Leben. Sie sind so wichtig für mich, deswegen möchte ich sie in meiner Nähe haben und diesen Augenblick mit ihnen gemeinsam erleben.
Es bleiben jetzt noch ein paar Rennen in Belgien und den Niederlanden zu fahren, bevor es dann zu den Olympischen Spielen geht, und danach ist es an der Zeit, an die Vuelta zu denken. »

 

Gert Steemans: „Ich konnte mich nicht mehr überholen lassen“

Der Belgier Gert Steegmans erringt den prestigereichen Sieg auf den Champs-Elysées. Dies ist auch der erste seiner Mannschaft bei der Tour 2008.

« Die Mannschaft hat perfekte Arbeit geleistet, um mir den Sieg bei diesem Sprint zu ermöglichen. Ich kannte diese letzte Kurve sehr gut und wusste, dass mir bei einer Einfahrt mit dem richtigen Tempo die zwei oder drei unmittelbar an meinem Rad fahrenden Fahrer nichts mehr anhaben konnten. Matteo Tosatto hat ein so hohes Tempo vorgelegt, dass ich mich selbst bei frühem Ausscheren nicht mehr überholen lassen konnte. Es ist genial, hier zu gewinnen.
Tom ist normalerweise unser Anführer. Die Tatsache, dass er nicht dabei ist, hat den Druck auf mich übertragen sowie auf Stijn Devolder. Es war nicht einfach, und dieser Sieg hat lange auf sich warten lassen. Doch die Mannschaft hat beständig ihr Bestes gegeben, und das hat mich letztlich sehr zuversichtlich gemacht.
Mehrere Faktoren haben die Quick Step-Mannschaft an einem Sieg gehindert. Der erste war natürlich Cavendish. Und dann war Barredo ein bisschen zu nervös, als er die Gelegenheit hatte, den Ausreißversuch erfolgreich abzuchließen. Doch die Mannschaft brauchte ihre Tour nicht zu retten. Wir hatten gestern eine Sitzung, und unsere sportlichen Leiter haben unsere gute Arbeit gelobt, auch wenn wir noch keine Etappe gewonnen hatten. »

 

Agenturmeldungen

17:49 - Die Top 5 des Endklassements

1. Sastre
2. Evans
3. Kohl
4. Menchov
5. Vandevelde

17:48 - Die Top 5 der Etappe

1. Steegmans
2. Ciolek
3. Freire
4. McEwen
5. Hushovd

17:47 - Sieg fĂĽr Steegmans

Quick Step rettet seine Tour mit einem Sieg auf den Champs-Elysées… Zweiter Sieg für Steegmans bei der Tour, der erste für Quick Step bei der Tour 2008

17:45 - Am Beginn der Champs

Quick Step führt den Tempozug an…

17:44 - Peloton geschlossen

Chavanel wird weniger als 2 km vor dem Ziel vom Peloton eingeholt